Warum Mir Bloggen So Schwer Fällt

Lange Zeit habe Schwierigkeiten gehabt Texte über Themen zu verfassen die mich beschäftigen und darüber letztlich auch zu bloggen. Ich habe verschiedene Gründe dafür gesucht und auseinander genommen.

Eine kürzliche Erkenntnis jedoch hat mein Verständnis über die obigen Punkte grundlegend verändert.

Zwei zerstrittene “Personen”

In einer meiner Meditationen1 habe ich die Frage ergründet, warum mir das Schreiben und vor allem Bloggen unter obigen Punkten so schwer fällt. Zum einen sind diese Punkte für sich genommen natürlich schon gute Gründe. Diesmal allerdings ist mir noch etwas aufgefallen. Die Themen über die ich normalerweise nachdenke sehe ich manchmal mit sehr viel Angst, Widerwillen und Scham, an anderen Tagen oder Tageszeiten verhält es sich damit aber komplett anders. Es kristallisierten sich zwei unterschiedliche “Stimmen” bzw. Positionen heraus, die fundamental anders über Inhalte und Themen urteilen.

Die eine Position legt sehr viel Wert auf Reproduzierbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Sinnhaftigkeit, Technik und Professionalität. Daher nenne ich diese “Person” den Professionellen, oder auch Professor.

Die andere Position hingegen legt Wert auf Moral, Gesellschaft, Politik und Philosophie. Zwischenmenschliche und Sozialwissenschaftliche Themengebiete und Meinungen sind es, was diese “Persönlichkeit” fasziniert und umtreibt.

Beide “Seiten” kommen meist nur schlecht miteinander aus. Nur all zu oft gibt es heftige Streitgespräche die meine Motivation komplett drücken und es entsteht vor allem beim Schreiben ein Wettstreit, welche Inhalte jetzt einen Wert haben.

Diese beiden Positionen anzuerkennen und co-existieren zu lassen hat etwas geradezu magisches bewirkt. Es entstand quasi sofort ein Gefühl der Anerkennung, des “sein dürfens”. Was vorher zum direkten inneren Konflikt geführt hat konnte ich jetzt gelassen hinnehmen. Letztlich führte diese Erfahrung und Überlegung dazu, zwei Blogs zu eröffnen. “Beide” sollten eine Platform haben, auf der sie ungestört vom jeweils anderen schreiben können.

Eine neue mentale Technik

Es mag dem einen oder der anderen aufgefallen sein, dass ich von den “Personen” immer in Anführungszeichen schreibe. Ich betrachte diese Personen als Teil von mir und nehme in der inneren Diskussion immer deren Positionen ein. Es ist ein Selbstgespräch mit teils mehr als nur ein oder zwei Parteien. Ungefähr so, als würde ich alleine ein Brettspiel spielen. Für mich wird diese Erkenntnis so zu einer mentalen Methode, einem Werkzeug, mit bestimmten Situationen umzugehen.

Ich “spalte” dabei basierend auf einem Thema die kritischsten Elemente und polarisiere das dann soweit, dass zwei Positionen entstehen die tendenziell erstmal überhaupt nicht zusammen kommen. Im Anschluss versuche ich dann einen Kompromiss oder einen Ansatz zu finden, beide Positionen zufrieden zu stellen. Im zweifel bedeutet dass viel mit mir zu diskutieren und auch Lösungen auszuprobieren, wie in diesem Fall zwei Blogs oder Notizbücher zu führen und beiden Positionen zu versichern, dass sie ihren Raum bekommen.

Verallgemeinert gibt es für diese Technik auch einen Namen und dazugehörige Bücher. “Das Innere Parlament” oder auch “Das Innere Team2”. Das ganze lässt sich regelmäßig oder Zielorientiert einsetzen um innere, unentdeckte Konflikte aufzudecken und zu bearbeiten. In meinem Fall gibt es durchaus auch andere “Interessengruppen” als die zwei erwähnten, allerdings sind diese mit abstand am weitesten ausgeprägt.

Zum Abschluss möchte ich noch sagen, wenn ihr starke Probleme mit innerem Zwiespalt habt und darunter leidet kann ich euch nur wärmstens ans Herz legen sucht euch Therapeutische Unterstützung. Niemand muss so etwas alleine durchmachen!

Referenzen

  1. Die erwähnte Meditation folgt keinem Lehrbuch oder ähnlichem. Es ist im entferntesten eine Art von Meditation zur Problemlösung, bei der ich mir eine Frage vornehme und diese durch Atmung und Visualisierung ergründe 

  2. https://www.amazon.de/Das-Innere-Team-Psychotherapie-Praxisbuch/dp/3608891889 - Ich habe dieses Buch nicht gelesen, nur ähnliche Inhalte bezogen 

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