Weltenwanderer im sozialen Multiversum

Wir sitzen in einem Café an urigen Tischen auf gepolsterten Sesseln. Neben dir steht eine antike Standuhr. Schräg gegenüber von uns ist eine Theke mit allerlei süßem Gebäck und hinter dieser Theke wartet ein freundliches Gesicht, bereit Ihren Kunden die Wünsche abzunehmen. Durch angeregte Gespräche um uns herum entsteht eine wohlige Atmosphäre. Auch du sprichst in diesem Moment. Als deine Worte mich erreichen, verändert sich der Raum. Die Farbgebung an den Wänden verändert sich durch den Klang deiner Stimme. Mit einem Mal sitzen wir nicht mehr in einem Kaffee sondern stehen inmitten einer Uni-Bibliothek in der sich mir leise ein Bild deiner Welt zeichnet. Jetzt ist es ruhig und riecht nach bedrucktem Papier. Mit einem Bein stehe ich in dieser Welt und bin fasziniert, denn sie ist so anders als meine eigene.

So in etwa empfinde ich die Begegnungen mit Menschen nachdem wir uns eine weile kennenlernen konnten. Wenn ich mit Menschen Spreche die mich faszinieren und über ihr Inneres erfahre baut sich um mich herum eine andere Welt auf. Wie in einem Tagtraum legt sich eine andere Realität über meine eigene. Obwohl wir in der gleichen Realität zu leben scheinen, leben wir doch nicht in der selben.

Nach einer solchen Begegnung wirkt meine eigene Wahrnehmung der Welt sehr begrenzt und es überkommt mich sowohl ein Gefühl von Sehnsucht als auch von Demut. Sehnsucht nach mehr von diesen anderen Welten. Demut darüber wie klein meine eigene Realität eigentlich ist.

Rein praktisch verändert sich mein Erleben der Welt alleine schon darüber mit wem ich meine Momente teile. Wie ich einen Film bewerte oder über ein politisches Thema denke unterscheidet sich oft schon dadurch wer da mit mir schaut oder mir zur Diskussion gerade gegenüber steht. Ich meine damit nicht nur, dass ich mit jedem Menschen unterschiedlich umgehe und mich anders verhalte. Viel mehr geht es hierbei um mein Erleben einer Situation mit einem Auge aus dem Blickwinkel meines Gegenüber. Details, die mir allein einfach entgehen, nehme ich nur in Anwesenheit einer bestimmten Person war. Das ist mehr als nur faszinierend!

Natürlich kann ich nicht wirklich in die Lebensrealität von jemand anderem blicken. Es wäre vermessen zu glauben, meine Sicht entspricht in diesen Momenten ihrer Sicht. Viel mehr sind diese Welten, die ich wahrnehme, eine Illusion. Meine ganz eigene Interpretation einer Welt auf Grundlage dessen, was ich von Anderen aufnehme. Nichts desto trotz bin ich maßlos fasziniert und unfassbar gern auf Reisen. Nach dieser Vorstellung bin ich leidenschaftlicher Weltenwanderer.

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